28.10.2007

Herbstgedicht I


Hallo ihr Lieben, falls ihr es noch nicht wusstet heute ist es mir mal wieder bewusst geworden: Ich liebe Gedichte! Gedichte von früher, aus romantischer, impressionistischer und expressio- nistischer Zeit. Gedichte, die man im Deutschunterricht der Oberstufe bespricht. Und so hab ich mich grad durch Michi auf die Idee bringen lassen, hier jede Woche ein neues Gedicht hineinzustellen. Vielleicht freut sich ja jemand mit mir.



Herbst

Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!

Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.


Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg´ein ferner Frühlingstag.

Theodor Storm (1817-1888)