Bewegungen / Movements in der Geschichte (Teil 1)
Es scheint abgedreht, aber DIE innovativen Bewegungen des europäischen Mittelalters waren die Klöster. Sie waren der Ort des kulturellen und religiösen Lebens. Großen Einfluss auf das Klosterleben hatte Benedikt von Nursia mit seinen Regeln. Die bekannteste lautet: "ora et labora", bete und arbeite. Nach seinem Vorbild gründete sich der Benediktiner Orden, der wiederum als Vorbild für andere Ordensgründungen diente. Neben den Benediktinern gab es die Zisterzienser, Kartäuser oder später die Augustiner. In den Klöstern wurde aber nicht nur gemeinsam meditiert. Im Frühmittelalter waren Klöster ebenso Vorposten zur Missionierung der Germanen, wie auch Orte der Bildung und der Kunst. Klöster schossen aus dem Boden wie Pilze.
Sie begegneten den gesellschaftlichen Problemen und religiösen Fragen der Zeit. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, entstand der Wunsch das "echte Christenleben" von der staatlich verordneten Religion unterscheiden zu können. Klöster boten klare Regeln über das gute Christsein - ein Leben, das Gott und der Kirche geweiht war, Verzicht auf die Ehe, auf eigenen Besitz, auf Luxus überhaupt - ein Leben in Abgeschiedenheit und Unterordnung. Dafür bot das Kloster ein abgesichertes Leben. Mönche oder Nonnen konnten sich für das ewige Heil Sicherheit verschaffen durch Gebete, Lesungen, Meditationen, Messen und Pilgerfahrten. Der Eintritt in ein Kloster brachte auch finanzielle und soziale Sicherheit. Bei Krankheit wurde man gepflegt und ihm Alter versorgt. Dafür musste dem Leiter des Klosters (Abt) absoluter Gehorsam geleistet werden.
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Kloster Corvey bei Höxter im Paderborner Hochstift
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Klöster verstanden sich nicht als Kirche. Ich weiß auch nicht, ob sich die Klosterorden als Bewegungen (Movements) verstanden. Es ist aber bemerkenswert, wie viele Benediktinerklöster zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert gegründet wurden. (Liste bei Wikipedia) Ich stimme nicht mit den Lebensformen z. B. des Benedikts von Nursia überein. (Sonst wäre ich Mönch geworden :-) Aber die gesellschaftliche Relevanz, die Klöster im Mittelalter entwickelt haben, ist beachtlich. Lernen lässt sich auf jeden Fall, dass diese Bewegungen eine konkrete und zur Gesellschaft passende Antwort auf die religiösen Bedürfnisse der Zeit hatten. Das kann ich ganz vorbehaltlos sagen, auch wenn ich (damals wie heute) nicht diese Antworten gegeben hätte... _ _
michael