Habe diesen Post auf dem Blog eines Paderborner Taxis-Fahrers gefunden. Er schreibt was er alles (Un-)Mögliche in seinem Job erlebt. Diese Geschichte hat mich bewegt - obwohl es bestimmt kein Einzelfall ist...
наркотик
22. August 2008
Kurz vor der ersten Kaffeepause hab ich mein Glück nochmal am Taxistand Liboriberg versucht. Am frühen Abend keine schlechte Idee, diesmal durfte ich auch gleich auf die Pole Position. Der nächste “Anläufer” ist meiner.
Nach 10 Minuten geht die Beifahrertür auf, ein Gesicht schaut rein. Schweißperlen auf der Stirn, wirres Haar, leichtes lallen, grad erwachsen.
“Entschuldigung, hier ist doch irgendwo die Klinik für Drogen. Können Sie mir sagen, wo das ist?”
“Das müsste die Westfälische Landesklinik sein. Hier gradeaus, rund zwei Kilometer.”
“Oh, so weit. Was würde das denn kosten?”
“Etwa 6 Euro.”
“Würden Sie mich dahin bringen? Ich geb Ihnen das Geld sofort, ich hab Geld!”
Das Gute an Junkis ist, daß die immer schon das Geld in der Hand halten, wenn sie sich mal ein Taxi nehmen wollen (und können). Vielen sieht man den Konsum harter Drogen schon an, die meisten Kollegen würden eh Vorkasse verlangen.
“Kein Problem, komm rein.”
Nachtschichtangewohnheit. Im Taxi wird eigentlich fast immer geduzt, beidseitig. Die wenigen Ausnahmen erkennt man als Fahrer eigentlich recht einfach: Geschäftskunden, Leute weit jenseits irgendeiner Jugendlichkeit, …
Unterwegs fängt er an zu erzählen, vier rote Ampeln lassen uns ein wenig Zeit.
Seine Droge ist Heroin, sein Leben scheiße und überall nur Probleme. Er ist Russland-Deutscher, das macht das Leben nicht grade einfacher.
“Ich wollte mich umbringen, Tabletten. Viele.”
Nervös wurde ich, als seine Antworten immer unverständlicher werden, manchmal gar nicht auf die Fragen passen.
An der Klinik angekommen versuche ich jemand zu erreichen. Eine schöne, große Klingel mit der Aufschrift “Nachtaufnahme”. Keiner meldet sich, keiner kommt.
Er war inzwischen ausgestiegen und hockte an die Hauswand gelehnt. Versucht sich eine Zigarette anzuzünden. Im vierten oder fünften Versuch klappt es, immer wieder gleitet die Kippe durch seine Finger und fällt auf den gepflasterten Boden.
Ich hab dann die Feuerwehr angerufen, kurz die Situation geschildert und um Hilfe gebeten.
“Wir rufen da mal an und schicken Ihnen jemand!”
Während wir noch ein paar Minuten warteten, versuchte ich ihn wachzuhalten. Reden, Antworten einfordern. Eine Zigarette zusammen rauchen.
Jetzt kümmern sich die Ärzte in der Suchtklinik um ihn. Ich hoffe, er gewinnt den Kampf.
PS: Die Überschrift ist russisch und heißt schlicht “Droge”
Gefunden bei: Taxi-Blog.de
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michael